AK Modelleisenbahn Dessau - Dossier eines Vereins

Der Bereich in und um Dessau konnte in der ersten Hälfte der 90iger modellbahntechnisch als Winterlandschaft - respektive weißer Fleck - bezeichnet werden.

Fuhren zu DDR-Zeiten noch bei drei Arbeitsgemeinschaften die Züge und waren regelmäßige Ausstellungen an der Tagesordnung, so änderte sich das nach der Wende sehr schnell.

In Dessau zog, wie Vielerorts auch,  der o.g. Modellbahnwinter ein.

Während sich anderswo die Szene wieder belebte, war in Dessau, abgesehen von einigen sporadischen Ausstellungen ortsfremder Vereine, kein Frühling in Sicht.

 

Das konnten und wollten einige Dessauer Modellbahnfreunde nicht hinnehmen.

Deshalb gründeten sie am 23.12.1995 einen Verein, der sich zum Ziel setzte, nicht nur einen Frühling sondern einen Sommer zu etablieren.

Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Denn es sollte noch bis ins Jahr 2001 dauern, ehe dieses Ziel erreicht war und wir das erste Mal an die Öffentlichkeit gehen konnten.

 

Liest man die Geschichte der allermeisten Vereine, so haben diese eins gemeinsam - das Raumproblem.

Glücklicherweise sind wir hiervon nicht betroffen gewesen. Wir konnten von Anfang an bei ein Dessauer Großvermieter ein Gebäudeteil mit Grundstück anmieten, das hervorragende Bedingungen bot. Wo Licht ist, ist allerdings auch Schatten.

Die Räume und das Grundstück mussten mit viel Aufwand nutzbar gemacht werden. Das erklärt, warum wir erst sechs Jahre nach der Vereinsgründung in der Lage waren unsere erste Ausstellung zu veranstalten.

Ferner waren durchschnittlich immer zwei Vereinsmitglieder damit beschäftigt das Außengelände in Ordnung zu halten und im Wald „Futter“ für den gefräßigen Heizkessel zu organisieren.

Aber auch das änderte sich 2001. Nach langen Verhandlungen konnten wir zusammen mit einer Revue-Tanzgruppe von der Stadt Dessau ein leerstehendes Clubhaus zu außerordentlich günstigen Konditionen mieten, ohne es erst aufwendig herrichten zu müssen. Seither verfügen wir über Bedingungen, die nahezu paradiesisch anmuten. Neben Lager-, Arbeits-, und Clubräumen ist der Saal des Gebäudes als ständige Ausstellung nutzbar.

Nun standen wir (15 Mitglieder) unter einem gewissen Druck. Wollte die Stadt doch ihre „Investition“ in eine Bereicherung der Kulturlandschaft umgesetzt sehen. Dem sind wir bisher mit unserer Februar-Ausstellung nachgekommen. Wobei wir den Begriff Ausstellung mit mindesten fünf Anlagen verbinden. Die 1. bis 4. Ausstellung musste noch mit Gästen aus Dessau und Köthen „aufgerüstet“ werden. Ab der 5. gelang das dann komplett aus eigener Kraft.

Möglich war das durch die etwas andere Philosophie, die wir verfolgen um die Vereinsfinanzen unter Kontrolle zu behalten und möglichst abwechslungsreiche Ausstellungen anbieten zu können. Die meisten Vereine konzentrieren sich im Wesentlichen auf eine Großanlage. Wir hingegen steckten unsere Kraft zunächst in eine Vielzahl kleinerer, überschaubarer Projekte.

Begonnen hat alles mit einer TT-Anlage in Heimanlagengröße auf der die Betriebssituation am Blankenheimer Berg (Strecke Sangerhausen-Halle) realistisch eingefangen wurde.

Mittlerweile ist diese Anlage schon abgefahren. Nach dem Totalausfall der Fahrstromversorgung haben wir sie 2005 konserviert abgestellt. Im nächsten Jahr soll sie dann komplett überarbeitet werden.

Gemäß dem Sprichwort: „Erfahrung ist die Summe aller Pleiten“ haben wir aus dem Totalausfall Lehren gezogen. Backup-Systeme sind nunmehr Pflicht.

Nur wenig zeitversetzt liefen die Arbeiten an einer ähnlich großen Anlage in H0 mit automatischen Fahrbetrieb. Hierauf fahren die wichtigsten Altbau-Ellok der 60er Jahre unter funktionsfähiger Oberleitung. Gleichzeitig wurde die Verwendung von Gipsabgüssen aus Kautschuk-Formen (Bahnsteige, Stützmauern, Straßen) getestet.

 

Über eine weitere TT-Anlage in mittlerer Größe, ein funktionsfähiges Winterdiorama in H0m, Anlagen in Koffern und Fernsehern (Spur Z), einen Rummel sowie diversen Schaustücken kamen wir letztendlich doch zu einem größeren H0-Projekt.

 

Nach 7 Jahren Vereinsarbeit war unsere finanzielle Basis soweit gestärkt, dass wir an die Finanzierung eines größeren Projektes denken konnten. Detaillierte Planungen dafür lagen bereits seit 1995 in der Schublade. Sie wurden kurzerhand herausgeholt, zum Bauabschnitt 1 erkoren und los ging es mit den ersten 5 Anlagenteilen.

Darüber möchte ich aber in einem separaten Beitrag berichten.

  

Im Jahr 2005 konnte unser Verein sein 10jähriges Bestehen feiern. Dieses Jubiläum wurde natürlich gebührend begangen. Mit einer Vereinsausfahrt in den Harz unter Beteiligung der Familien und einer Leistungsschau mit allem was bei uns rollt, zusammen mit 3 befreundeten Vereinen aus dem Raum Anhalt. Die Leistungsschau war finanziell so erfolgreich, dass wir daraufhin den Bauabschnitt 2 unserer H0- Großanlage in Angriff genommen haben.

 

Für die nahe Zukunft planen wir die durchgehende Alterung unseres Rollmaterials. Natürlich ist auch der 3. Bauabschnitt unserer Großanlage in den Köpfen bereits präsent. Gemeinsam werden wir noch in diesem Jahr entscheiden, was für ein Thema dieser Bauabschnitt präsentieren wird.

 

Im Laufe der Zeit haben wir zu den allermeisten Vereinen aus dem Raum Anhalt durch gemeinsame Ausstellungen oder Kontakte ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut.

Dabei legen wir sehr großen Wert auf das Wort „gemeinsam“. Der ortsansässige Verein tritt als Veranstalter auf, teilnehmende Vereine sind gleichberechtigte Partner.

Vor der Veranstaltung wird nicht über Summen verhandelt, sondern nur über Prozente. Erfolg oder Misserfolg werden somit von allen getragen. Mit diesem Prinzip sind wir über Jahre erfolgreich. Möglicherweise ist das schon ein alter Hut, möglicherweise aber auch ein Denkanstoß (zumindest für kleinere Veranstaltungen).

 

Sehr erfreulich gestaltet sich die Zukunft auch aus Sicht der räumlichen  Situation. Für die nächsten Jahre ist die Anmietung der genutzten Räume zu sehr fairen Konditionen gesichert.

Ein Problem bereitet uns allerdings Sorgen. Wie so manchem Verein auch, fehlt es an geeignetem Nachwuchs. Unser Alterdurchschnitt liegt momentan bei Mitte 40, so dass noch kein akuter Handlungsbedarf besteht. Dennoch wird die Lücke zwischen Alt und Jung immer größer.

Eigenartig ist nur, dass es dieses Problem regional sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Die befreundeten Vereine in Köthen oder Wittenberg haben es nicht.

 

Die Mitgliedschaft im SMV zeigt, dass Dessau modellbahntechnisch kein weißer Fleck mehr ist. Wir sind zu einem festen Bestandteil der Dessauer Kulturlandschaft geworden und ich denke es ist uns auch gelungen den eingangs erwähnten Modellbahnsommer zu etablieren.

Stand 25.09.07

 

Fortschreibung des Dossiers:

 

Der 3. Bauabschnitt unserer Großanlage ist weitgehend durchgeplant und in Arbeit. Da sich hier ein Ende abzeichnet haben wir mit ersten Recherchen für ein neues Projekt begonnen. Näheres dazu siehe im Abschnitt "Anlagen".

Wir werden nicht jünger und planen deshalb eine leicht transportable Segmentanlage. Das Motiv wird die Dessau-Wörlitzer Eisenbahn sein.

Unser Therapie-Projekt, die Anlage Wehr, konnte zu einem sehr akzeptablen Preis an einen Interessenten veräußert werden. Damit ergibt sich für uns die Möglichkeit ein neues Therpie-Projekt zu beginnen. Diesmal ebenfalls in modularer Bauform.

 

Auf der Suche nach neuen Vereinsräumen, oder besser die Odyssee eines Umzuges.

 

Neben dem nach wie vor bestehenden Nachwuchsproblem ist ein weites hinzu gekommen. Die oben erwähnte erfreuliche Raumsituation hat sich schlagartig geändert.

Das Gebäude, in dem wir Räume nutzen, wird entweder abgerissen oder verkauft.

Wie auch immer, ein Umzug ist unumgänglich. Für den Verein wird dies zur Nagelprobe werden. Da neue Räume mit Sicherheit aufwändig hergerichtet werden müssen, wird für eine längere Zeit Lötkolben und Leimflasche gegen Mauerkelle und Schaufel einzutauschen sein. Nicht alle Mitglieder sind davon begeistert.

 

Glücklicherweise haben wir ein leerstehendes Ladenlokal in Bahnhofsnähe von einem Dessauer Großvermieter angeboten bekommen. Nahezu ideal geschnitten und gelegen, machten wir uns an die Planung für Einrichtung und Umzug. Aber alles April April. Obwohl von Anfang an klar war, dass wir nur eine geringe
Miete zahlen können, hat uns die Chefetage des Großvermieters Hoffnungen gemacht und zog sind dann aus der Sache zurück.

 

Das nächste Projekt entpuppte sich als eine ähnliche Verarsche. Der Ausbau der ehemaligen Kastenfabrik in der Dessauer Brauerei hätte für uns eine Menge Arbeit bedeutet, barg aber auch jede Menge Potenzial. Nach einjähriger Vorbereitung zogen wir uns letztendlich aus dem Projekt zurück. Wir hatten erkannt, dass dem Brauhausverein, als Eigentümer, einfach kein Interesse daran zu entlocken war. Man hätte uns das eigentlich schon beim ersten Kontakt sagen können.

Es gibt eben immer wieder Menschen, denen selbst die einfachsten Benimmregeln fremd sind.

 

Wir schauen nach vorne, denn dort ist das nächste Angebot für zukünftige Vereinsräume in Sicht. In einigen Tagen steht der erste Termin mit den Chefs der Stadtwerke an. Erfahrung ist die Summe aller Pleiten. Entsprechend vorbereitet gehen wir die Sache an.

Erfreulich in dem ganzen Dilemma:  Die Stadt Dessau hat kein Geld, um unser Vereinsdomizil abzureissen. Wir können die Suche nach neuen Räumen also etwas entspannter angehen.

Leider hat sich die Sache mit den Stadtwerken auch in Rauch aufgelöst. Hier kann man allen Beteiligten allerdings keinen mangelnden Willen unterstellen. Objektive Gründe zwangen zu einer Absage.

Das nächste Objekt war super geeignet, unmittelbar am Bahnhof und bezahlbar. Letztendlich kam raus, dass der Insolvenzverwalter die Hand darüber hatte. Also auch Essig.

Zwischenzeitlich bekamen wir einen Tipp zu einem stätischen Objekt, das mit Fördermitteln frisch saniert wurde und anschließend 5 Jahre leer stand. Der Mercedes unter den Angeboten. Leider entspricht unser Vereinszweck nicht den Förderrichtlinien, also bleibt es weiterhin leer. Irre oder?

Als nächstes wurde Kontakt zu Mittelständlern und Handwerk aufgenommen. Hier wurde unser Anliegen zwar ernst genommen, aber wir wurden das Gefühl nicht los, dass wir letztendlich doch nur als Lückenbüsser herhalten sollten. Etwas dauerhaftes war nicht zu vereinbaren. In einigen Fällen konnten die Vermieter trotz schlechten Zu- und ewigen Leerstandes die Dollarzeichen in den Augäpfeln nicht verbergen. Man dachte wohl es in unserem Fall mit Idioten zu tun zu haben, die man über den Tisch ziehen kann.

 

Wie der Volksmund schon sagt, wenn eine Tür zuschlägt, geht eine andere auf.

Wir haben uns mit zwei weiteren Vereinen mit ähnlichen Sorgen wie wir zusammengeschlossen. Gemeinsam ist man stärker. Das zeigt sich an einigen vielversprechenden Angeboten, die es in der nächsten Zeit zu prüfen gilt.

Stand 27.12.10

 

Auch diese Angebote haben sich letztendlich als Flopp erwiesen. Insgesamt 11 Objekte haben wir in den letzten 2 Jahren "beackert". Wie sich zeigt, umsonst.

Als besonders herbe Enttäuschung hat sich die Stadtverwaltung herausgestellt. Die  Generation Mitarbeiter, die sich vor einigen Jahren noch bewust war, dass der Bürger ihren Lohn zahlt und im Gegenzug dafür für den Bürger gearbeitet wird, ist entweder entlassen, weggeekelt oder berentet.

Es drängt sich mit Macht der Gedanke auf: Wenn die Stadtverwaltung nicht für den Bürger da ist, könnte sie eigentlich eingespart werden!

Der oben erwähnte Volksmund hat sich tatsächlich bewarheitet. Im politischen Raum haben wir einen Partner gefunden mit dem wir nun auf die Zielgerade einbiegen konnten. Wir können zunächst in unseren Räumen verbleiben.

Stand 27.03.11

 

Was zunächst galt, hat nun Bestand bekommen. Herr Ralf Schönemann hat das Gebäude gekauft und hat damit einem Kegelverein, einer Tanzgruppe, einer Szenekneipe und uns eine neue Heimat gegeben. Wir sind eigentlich relativ unpolitisch unterwegs, zumindest als Verein. Dennoch wollen wir hiermit für die Partei "Die Linke" eine Lanze brechen. Die waren die einzigen, die etwas unternommen und den Abriss verhindert haben. Bei den anderen etablierten Parteien sind wir nur belächelt worden oder es wurde Interesse geheuchelt und Versprechungen gemacht.

Für den außerordentlich positiven Abschluss dieser Odyssee hier unseren herzlichen Dank an Ralf Schönemann.

Stand: 25.07.12

 

In den letzten 18 Monaten ist es relativ ruhig geworden. Die Anlage Bischofsthal ist nach wie vor unvollendet. Praktisch haben wir, bis auf ein paar Reparaturen für den Fahrbetrieb, seit drei Jahren nichts daran gemacht. Es ist deshalb an der Zeit hier weiter zu machen.

Statt dessen wurde am Gebäude und an unseren Räumen gewerkelt. Wir haben renoviert, verschönert und jede Menge Ballast abgeworfen. 11m³ Sperrmüll und 3 Schrottfuhren später war unser Lagerraum eliminiert und dafür eine schöne Werkstatt entstanden. Aus der alten Werkstatt entstand ein Bastelraum mit drei Arbeitsplätzen für die "feineren Dinge des Modellbaus".

Was des einen Leid ist des anderen Freud. Die positive Seite dieses Sprichwortes konnten wir für uns in Anspruch nehmen. Durch Rückgang der Förderung musste ein Verein Teile seiner Arbeit einstellen. Wir konnten dadurch eine komplette Tischlereiausrüstung übernehmen.

Natürlich waren wir auch im zurückliegenden Abschnitt modellbahnerisch tätig. Die Anlage "Wörlitz" hat schwer an Gestalt zugelegt. Dafür hat unser Erstlingswerk, die Anlage "Blankenheim", seine aktive Zeit beendet und steht nun zum Abbruch.

Stand: 24.03.13

 

Dazu kam es aber nicht. Ein Modellbahnfreund aus Bayern hat Interesse an der Anlage und hat sie gekauft. Etwas verändert und verbessert läuft sie heute noch.

Unsere Anlage "Wörlitz wurde in den letzten drei Jahren bis zum geplanten Endausbau hergestellt. Sie war schon 2x Thema in Modellbahn.TV.

Erfreulicherweise haben sind in 2015 zwei Jugendliche zu uns gesellt. Beim Bau der "Buchdorfer Waldbahn" können sie zeigen, was sie gelernt haben.

Leider hat uns in 2015 auch ein sehr aktives Mitglied verlassen. Egbert, ruhe in Frieden.

Heute ist nun eine Ähra zu Ende gegangen. Die seit 1999 in Bau befindliche Anlage "Bischofsthal" wurde abgeholt. Wir hatten einfach nicht genug Manpower für die uns über den Kopf gewachsene Anlage. Sie wurde deshalb verschenkt. Sie ging an gleichen Modellbahnfreund, der schon die Anlage "Blankenheim" hat.

Stand: 08.10.16